Deko und Gardinenstoffe

Für den Sommer: Stoffe mit Trick

Schön + wirkungsvoll – die neuen Talentstoffe gegen Hitze und Sonnenlicht

Coole Sache – diese Stoffe bändigen die Sommerhitze

Wenn die Fassaden im Sommer glühen, wird das Fenster zur Schwachstelle. Unsere Räume heizen sich auf, die Konzentration sinkt. Die Lösung: Hochfunktionale Vorhangstoffe, die Hitze und Licht abwehren – ohne das Wohngefühl einer „festungsgleichen“ Verdunkelung zu vermitteln. Hier ein Blick auf die Technik, die das möglich macht – und warum wir das brauchen.

 

Inbeetween beschichtet: halbtransparent und gut gegen Hitze: Tembleton von Indes Fuggerhaus (Foto: indes-fuggerhaus.de)

Draußen herrscht mit 30 °C Badewetter. Die Luft über den Straßen flimmert, Cafés, Parks und Freibäder sind rappelvoll. Wunderbar für Feierabend, Wochenende und Urlaub, belastend für den Alltag in den eigenen vier Wänden. Denn Hitze bedeutet Schwerstarbeit für den Körper. Um die Kerntemperatur stabil zu halten, verbraucht unser Organismus Energie, die uns im Gehirn fehlt. Ab einer Raumtemperatur von 26 °C sinkt unsere geistige Leistungsfähigkeit spürbar ab. Jedes weitere Grad mindert die Produktivität um bis zu 10%. Zudem steigt bei Hitze der Cortisolspiegel; wir werden gereizter und schlafen schlechter, da die optimale Temperatur für erholsamen Schlaf zwischen 16°C und 18°C liegt. Viele gute Gründe, unsere Räume vor Hitze zu schützen. Hinzu kommt ein oft unterschätzter Zusatznutzen: Ein Hitzeschutz blockiert auch die UV-Strahlung, die Farben und Oberflächen von Boden und Interieur ausbleichen lässt.

Von Acryl bis Perlmutt: Die Physik der Schichten

Als beste Lösung gelten noch immer Außenjalousien und Fensterläden. Aber auch ein Vorhang kann effektiv die Hitze draußen halten – und ist obendrein ein schönes Gestaltungselement im Raum. Einfache blickdichte Stoffe sind allerdings nicht die Lösung. Sie blockieren zwar das Sonnenlicht, speichern aber auch die Wärme und geben sie zeitversetzt in den Raum ab. Das ist kontraproduktiv. Neue Funktionsstoffe wirken deutlich effektiver, denn die Hersteller haben sich einiges einfallen lassen. Ihr Geheimnis? Verschiedene Beschichtungen und Gewebearten, die sie genauso wohnlich und weich wirken lassen wie ihre Verwandten ohne Funktion.

Diese Beschichtungen sind üblich:

– Acryl-Beschichtungen: Sie finden sich meist bei Blackouts. Die Schichten auf der Rückseite machen den Stoff zu 100% lichtundurchlässig und bilden eine thermische Barriere – ideal für das Schlafzimmer.

– Aluminium- oder Silber-Veredelung: Hier reflektiert eine hauchdünne Metallschicht die Sonnenstrahlen direkt am Glas. Das funktioniert auch bei halbtransparenten Inbetweens. Weit über 60% der Sonnenenergie können so blockiert werden, während der Blick nach draußen frei bleibt.

– Perlex- oder Perlmutt-Beschichtung: Diese mineralische Veredelung auf Glimmerbasis ist besonders widerstandsfähig. Sie reflektiert das Licht effektiv und ist zudem resistent gegen Verschmutzungen – ein funktionaler Allrounder. Meist kommt sie auf Plissees und Flächenvorhängen zum Einsatz.

Das gibt es auf dem Markt: Blackout, Dimout, Inbetween

Alle drei Vorhangvarianten halten Licht und Hitze draußen, entweder dank einer Beschichtung oder mit einem besonderen Gewebe. Der Blackout ist die beste Variante, wenn es richtig dunkel sein soll. Er blockiert Licht und Hitze durch eine rückseitige Beschichtung zu 100%. Ein Dimout erreicht die Lichtreduktion durch ein besonders dichtes Gewebe mit einem schwarzen Mittelfaden (Schussfaden) und blockiert etwa 97 bis 99% des Lichts. Er ist die richtige Wahl, wenn es keine totale Finsternis, aber ein hoher Hitzeschutz sein soll. Wer Hitzeschutz, Tageslicht und den Blick nach draußen möchte, greift zum Inbetween, der oft mit einer hauchdünnen metallisierten Rückseite ausgestattet ist. So bleibt das Gewebe halbtransparent, lässt weiterhin Tageslicht in den Raum – und wir können noch hinausgucken.

Nicht nur gut gegen Kälte: der Thermostoff

Daneben gibt es noch die Thermostoffe, die nicht nur Kälte, sondern auch Hitze abwehren. Wie die Dimouts gehören sie zu den Funktionsvorhängen, die über ihr Gewebe wirken. Thermostoffe haben eine besonders flauschige, griffige Struktur mit viel Volumen. Dieses dickere Gewebe – zum Beispiel Chenille, Flanell oder Samt – schließt in sich die Luft ein. Und weil Luft physikalisch gesehen der beste natürliche Isolator ist, entsteht direkt am Fenster ein effektives Luftpolster. Hitze und Kälte von draußen prallen gleichermaßen an dieser Barriere ab. Ein Nebeneffekt: Durch ihr hohes Volumen sind diese textilen Schwergewichte gleichzeitig absolute Meister der Raumakustik.

Eleganter, weich fallender Dimout aus der Kollektion Urban Safari von Jab Anstoetz (Foto: jab.de)

Die Zwei-Schichten-Lösung

Aber was ist, wenn wir uns in einen Stoff verliebt haben, der keine Funktion hat? Auch dafür gibt es eine Lösung: Lining. Der gewählte Vorhangstoff wird mit einem Funktionsfutter unterlegt. Dieses Zwei-Schichten-Prinzip schafft ein zusätzliches isolierendes Luftpolster, das im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze draußen hält. Außerdem verbessert die doppelte Lage merklich die Akustik im Raum. Wichtig ist hier allerdings eine stabile und durchdachte Aufhängung, da diese Vorhang-Variante mehr Gewicht bedeutet.

So schön, so funktional

Je nach Geschmack und Raum gibt es also für jeden eine Lösung. Aber das Beste ist, dass alle diese Funktionsstoffe nicht mehr als solche erkennbar sind. Vorbei die Zeiten mit dem Plastik-Effekt. Heute überzeugen Farben, Glanz, Struktur und ein weicher Fall – trotz Funktion. Ob leichter, metallisierter Inbetween, eleganter Blackout, weicher Dimout oder der Lieblingsstoff mit zweiter Lage – der Trick bleibt im Hintergrund, das Klima angenehm frisch – und unsere Laune sonnig.

Extra-Tipp

Ist die Sommerhitze erst einmal eingezogen, werden wir sie nur schwer wieder los. Deshalb gilt konsequent: In den Morgen- und Abendstunden, wenn es kühler ist, lüften – alle Fenster weit auf. Von morgens bis abends die Fenster schließen und die Vorhänge zuziehen. So bleibt es kühl in Haus und Wohnung.

 

 

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