Bodenbeläge

Wie echt: Rasen-Kunst

Kunstrasen für draußen und drinnen. Und für Kreative

Vom Fußballfeld zu uns nach Hause

Kunstrasen hat sein Billig-Image schon länger abgelegt. Er sieht nicht nur aus wie echter Rasen, er fühlt sich auch so an. Wir haben den Selbsttest auf den Wohntagen des Südbund gemacht und uns durch verschiedene Qualitäten „getastet“. Danach war klar: Das wird unser Sommerthema – mit kreativen Ideen und der Antwort auf die Frage: Wer hat’s erfunden?

Weich und griffig, in verschiedenen Farbtönen, Faserstärken und Florhöhen, mit ein paar vertrockneten Halmen zwischen vielen grasgrünen – das ist heute Kunstrasen. Auf den Südbund Wohntagen konnten wir uns davon überzeugen. Die Muster wirken nicht nur optisch täuschend echt, sondern fühlen sich auch so an – wie natürliches „Teppichgras“. Deshalb funktionieren sie nicht nur als Rasenersatz. Vorbei die Zeiten mit Plastik-Feeling und unechter Farbe – moderner Kunstrasen ist prädestiniert für kreative Gestaltungsideen, outdoor und indoor. Was kaum zu glauben ist, wenn wir an die Anfänge zurückdenken.

Houston, we have a problem

Erfunden wurde der Kunstrasen Anfang der 1960er-Jahre in den USA von einem Team um den Textil-Experten und Wissenschaftler David Chaney von der Firma Monsanto. Ja, genau, jene Firma, die heute bekannt ist für ihre Pflanzenschutzmittel. Sie tauften ihr neues Produkt „ChemGrass“. Wirklich bekannt wurde dieser erste Kunstrasen 1966. Im ersten überdachten Stadion der Welt, dem Houston Astrodome, ging nämlich – nicht wirklich überraschend – der echte Rasen wegen Lichtmangel ein. ChemGrass wurde ausgelegt und bekannt unter neuem Namen: AstroTurf. Die Spieler waren wenig begeistert von diesem harten Plastikteppich, der direkt auf Beton verklebt wurde. Sechzig Jahre später, 2026, fühlt sich Kunstrasen dank gekonnter Kunstfaser-Mischungen so weich an, dass er kaum noch vom Original zu unterscheiden ist. Daraus ergeben sich viele neue Einsatzmöglichkeiten.

Der Klassiker: Verlegung auf Balkon, Terrasse und am Pool

Typischerweise wird Kunstrasen draußen verlegt. Zum einen ist er die erste Wahl all jener, die keine Rasenmäher und Wassersprenger mögen, ebenso für Ecken, wo fast nichts freiwillig wächst. Aber er passt auch wunderbar rund um den Gartenpool, auf Balkone und Terrassen.

– Am Pool: Chlorwasser macht echtem Rasen den Garaus – Kunstrasen bleibt sattgrün und hält den Schmutz zurück, bevor er im Becken landet. Außerdem ist er angenehm weich und rutschfest beim Ausstieg.

– Auf Balkon & Terrasse: Eine zonierte „grüne Insel“ unter der Lounge-Ecke grenzt optisch vom restlichen Boden ab. Kleine Balkone oder Dachterrassen können auch komplett zur grünen Oase in der Stadt werden.

Verlegung: darauf ist zu achten

Sobald Kunstrasen auf Stein, Holz oder ähnlichen festen Materialien verlegt wird, ist eine gute Drainage in Form von Noppen an der Unterseite wichtig. Zusätzlich ist ein leichtes Gefälle des Untergrunds wichtig, damit das Wasser unter den Noppen abfließen kann. Unser Geheimtipp: Eine feine Einstreuung aus Quarzsand stützt die Halme zusätzlich und sorgt dafür, dass sich der Boden im Sommer weniger aufheizt.

Vertikal-Garten: Kunstrasen an der Wand

Richtig kreativ wird es mit Kunstrasen in Innenräumen, zum Beispiel als grüne Wand. Die Rasenmatten lassen sich auf Holz- oder Trockenbauwänden tackern oder mit kleinen Schrauben fixieren. Im dichten Flor verschwinden die Klammern komplett. Bei Beton eignen sich spezielle Kunstrasen-Kleber. Aber Vorsicht bei Außenwänden – hier ist ein bisschen Abstand zur Wand wichtig, damit sich keine Feuchtigkeit bilden kann. Ein flaches Holzgestell, das zwischen Wand und Matten angebracht wird, sorgt für Luftzirkulation. Wer mag, integriert weitere künstliche Pflanzen und gestaltet so ein immergrünes Wandparadies.

Möbel- und Boden-Upcycling

Und auch über Möbel und Boden indoor können wir Gras wachsen lassen. Für Bänke, Stühle oder Hocker eignet sich eher ein kurzer Flor mit 10 bis 20 mm. Für den Boden dürfen es auch gern 30 bis 50 mm sein, um Spieleecke, Leseecke oder Schlafbereich zu zonieren. So kommt barfuß ein echtes Wiesengefühl auf. Bei der Verlegerichtung darauf achten, wie sich der Flor neigt. Am besten wird Kunstrasen so verlegt, dass wir aus der Haupt-Perspektive „gegen den Strich“ schauen. Dann wirkt die Farbe am schönsten.

Kunstrasen-Tasche entdeckt bei Tisca; Hauptsitz des Schweizer Familienunternehmens Tisca Tischhauser AG ist in Bühler, Kanton Appenzell Ausserrhoden. Das Textilunternehmen wurde 1940 gegründet und stellt unter anderem Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen und Sportbeläge wie Kunstrasen her.

 

Psychologischer Mehrwert von Kunstrasen

Und hier noch kurz, warum Kunstrasen – genau wie echter Rasen – gut für die Seele ist. Da er täuschend echt wirkt, trickst er quasi Sinne und Gehirn aus. Unsere Psyche reagiert auf den visuellen Reiz der Farbe und die Textur unter den Füßen mit Entspannung. Dabei werden auch unsere Urinstinkte berührt. Menschen bevorzugen nämlich evolutionär bedingt offene, grüne Landschaften mit niedriger Vegetation – wie Rasen. Das signalisiert Übersicht, Schutz vor Raubtieren sowie eine gute Sicht auf Ressourcen und Gefahren. Außerdem ist die Farbe Grün nachweislich gut für die Nerven. Sie senkt den Cortisolspiegel, reduziert den Puls und fördert die mentale Regeneration. Hinzu kommt, dass wir Gras mit Freizeit und Freiheit verbinden: Barfußlaufen, Picknick, Sport, Entspannung. Also: Her mit dem Kunstrasen – und kreativ werden.

 

Reinigungs-Guide

– Indoor: Einfach absaugen! Flecken tupfst du einfach mit einem feuchten Tuch und milder Seifenlauge abtupfen.

Outdoor: Hier hilft ein harter Besen. Bürste den Rasen regelmäßig gegen die Laufrichtung auf, damit die Halme wieder stehen. Bei grobem Dreck hilft der Gartenschlauch.

 

Mehr Boden-Inspirationen? Dann bitte hier weiterlesen:

Ein Teppich unter freiem Himmel

Bodenbeläge in der Hauptrolle

Nachhaltig schön: Tipps für die Teppichbodenwahl

Laminat: so schön wie Diele und Designboden

Teppichfliesen – so schön quadratisch, praktisch und gut! 

Fischgrät: einfaches Muster – starke Wirkung

Mustergültig: Die Verlegung von Parkett

Die große Teppichfreiheit

Weitere interessante Artikel zum Thema