Raumakustik

Spannend: Akustik­stoff für Decke und Wand

Geheimtipp für die Akustik: Wand- und Deckenbespannung

Ohne Baulärm Räume verwandeln – akustisch und optisch

Hall macht Räume ungemütlich. Zum Glück gibt es einiges, was wir gegen die Schallreflexion tun können. Nur wer denkt dabei an Decken- und Wandbespannungen? Mit neuen Geweben und Techniken beruhigen sie nicht nur die Akustik, sondern machen auch kreative Lösungen möglich, um Licht, Infrarotheizung und Design zusammenzuführen – eine uralte Technik aus der Antike neu gespielt.

 

Große Fensterfronten, puristische Design-Möbel und glatte Böden wie Parkett oder Beton liegen im Trend, sind aber ein Albtraum für die Akustik. Der Schall reflektiert ungehindert hin und her. Die Lösung? Wir nutzen die großen Flächen der Wände und Decken für eine akustische Beruhigung, machen die Absorber aber unsichtbar: hinter einer Wand- oder Deckenbespannung.

Wie funktioniert das?

Das Prinzip hinter Akustik-Spannsystemen ist so einfach wie effektiv. Es handelt sich in der Regel um ein dreiteiliges Schichtsystem:

– Die Unterkonstruktion: Profilleisten aus Aluminium oder Kunststoff werden an die Wand oder Decke montiert.

– Das akustische Herzstück: Ein meist nur wenige Zentimeter dicker, aber hocheffizienter Absorber, zum Beispiel aus spezieller Polyesterwatte oder Öko-Fasern, wird direkt auf den Untergrund aufgebracht.

– Die sichtbare Bespannung: Ein spezielles Akustiktextil wird straff in die Profile eingespannt.

Der Effekt: Der Schall durchdringt das Textil, trifft auf den Absorber dahinter und wird dort „geschluckt“, statt als störender Hall in den Raum zurückgeworfen zu werden. Das reduziert die Nachhallzeit deutlich und sorgt für eine beruhigte Raumatmosphäre.

Gestaltungsfreiraum: von Licht über Print bis Infrarotheizung

Dieses Zusammenspiel aus Funktion und Fläche lässt Akustik-Bespannungen effektiv wirken. Allgemein gehören Stoffe für Wand und Decke übrigens zu den ältesten Raumgestaltungen der Menschheit. Bereits die alten Ägypter und Römer nutzten sie, um große, kahle Räume wohnlich zu machen. Im Barock und an Königshöfen erlebten sie viele hundert Jahre später ihre Blütezeit. Mit den 1970/80er Jahren haben sich neue praktische Systeme mit Zusatznutzen etabliert wie Clip-Systeme, Lichtdecken – und eben Akustikbespannungen. Die Auswahl an Oberflächen ist heute groß. Es gibt Akustikstoffe in vielen Farben, glatt und mit Haptik, schlicht oder mit Print, auch individuell bedruckt als Mural. Für Feucht- und Nassräume wurden Spezialgewebe entwickelt. LED-Lines, Spots und Lampen lassen sich integrieren und hinter transluzentem Gewebe einbauen. Sogar Infrarotheizungen können mit Akustikverspannungen kombiniert werden. Kurz: Wir können Licht, Hall, Heizung und Architektur zu einer Einheit verschmelzen lassen. Und zwar schnell und ohne viel Baulärm, Malerpinsel, Staub und Schutt. Ruckzuck sehen unsere vier Wände makellos aus. Es gibt keine Risse im Putz und keine übergemalten Ecken.

Die Gretchenfrage: Reinigung, Gerüche und die Küchentauglichkeit

Im Alltag müssen die Systeme allerdings einiges aushalten. Deshalb gilt es, zu differenzieren:

– Staub und Pflege: Hochwertige Akustik-Textilien sind von Natur aus antistatisch ausgerüstet. Sie ziehen Staub also nicht magisch an. Ein gelegentliches Absaugen mit einer weichen Bürste oder das Abwischen mit einem feuchten Tuch reicht in Wohnräumen völlig aus.

– Das Geruchs- und Küchenproblem: In Räumen, in denen geraucht wird oder in denen intensive Küchendämpfe entstehen, stoßen Textilbespannungen an ihre Grenzen. Die Fasern und der dahinterliegende Absorber können Fettpartikel und Gerüche aufsaugen. Und ein Spezial-Gewebe, zum Beispiel mit einer geschlossenen Polyurethan-Schicht oder eine PVC-Folie (Vinyl), ist zwar feuchtigkeitsbeständig, abwaschbar und schmutzabweisend, aber nicht akustisch wirksam. Für die klassische Kochzone ist ein Akustik-Spannsystem daher nicht die beste Wahl. Wer in einer offenen Wohnküche dennoch nicht auf den Schallschutz verzichten will, könnte das System immerhin noch im angrenzenden Essbereich installieren. Alternativ lassen sich aus waschbaren Akustikstoffen hervorragend Vorhänge oder Faltrollos verarbeiten, die den Schall absorbieren.

Doch summa summarum gilt: Wand- und Deckenbespannungen sind eine interessante Methode, um Räume akustisch zu beruhigen und individuell-wohnlich zu gestalten. Sie sind zwar in der Anschaffung und Montage aufwendiger als Akustikbilder oder Teppiche, verwandeln einen Raum dafür aber sehr viel umfassender und eröffnen mittlerweile Gestaltungsräume, die über das Spiel mit Licht und Optik hinausgehen.

 

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